Aus der Pfarreichronik

Blick auf die Empore und das Herz-Jesu-Fenster - 4. Dezember 2013

Die handschriftlich geführte Pfarreichronik von Herzogenbuchsee beginnt mit acht Punkten, mit denen der Chronist, sehr wahrscheinlich Gustav Burkard, die 'Frühgeschichte' der Pfarrei Herz-Jesu zusammenfasst:

1. Das Pfarr-Rektorat Herzogenbuchsee gehört zur Pfarrei Langenthal.

2. Am Christkönigsfest 1937 wurde im Hause der Wwe. Dürrenmatt, Oberstrasse, ein Gottesdienstlokal eröffnet unter H.H. Pfarrer Adolf Boesch.

3. Seit vielen Jahren gingen die Katholiken nach Aeschi (Soloth.) zur Kirche. Von dort aus wurde die Seelsorge in Hb. ausgeübt.

4. Alle 14 Tage wurde nun in Hb. Gottesdienst gehalten durch H.H. Pfarrer Oskar Stampfli aus Aeschi und zwar um 10.45 Uhr.

5. Die finanziellen Verhältnisse wurden besorgt von einem Kultusverein mit sieben Mitgliedern.

6. Im Jahre 1939 wurde Langenthal & damit auch die Station Hb. öffentl. rechtl. anerkannt.

7. Am 27. Juli 1940 nahm H.H. Pfr. Stampfli Abschied und es übernahm das Pfarr-Rektorat H.H. Pfarr-Rektor Gustav Burkard, bischöfl. Sekretär in Solothurn.

8. Am 1. Okt. 1940 mietete er auch ein Zimmer neben der Kapelle. Und damit bezog erstmals seit der Reformation ein kathol. Geistlicher Wohnung in Herzogenbuchsee.

Im Anschluss an diese Aufzählung finden sich im Oktober 1940 zwei datierten Einträge, welche über das Verhältnis eines Pfarrers zum Bischof, aber auch über die ökumenische Zusammenarbeit 'avant la lettre' und die Zusammensetzung des Pfarr-Rektorats Aufschluss geben:

5. Oktober: Der gnädige Herr bezahlte ein ewiges Licht, zwei Altarschellen und ein Kredenztischchen.

7. Oktober: Heute wurde in der protestantischen Kirche in H'buchsee zum ersten Mal kath. Gottesdienst gehalten mit Hl. Messe & Predigt für die internierten Polen. Ein Ereignis, das auch in der kath. Kirchenchronik festgehalten werden darf.

Wenn wir diese wichtige Quelle der Pfarreichronik mit anderen Daten - u.a. alte Sitzungsprotokolle und spätere Aufzeichnungen von Josef Birri - ergänzen, spüren auch wir heutigen Pfarreianghörigen noch, mit welchem Enthusiasmus unsere Vorfahren und Vorfahrinnen sich für die Pfarrei engagierten und welches Tempo sie beim Aufbau der Pfarrei an den Tag legten:

Am 13. Juli 1937 fragte Pfr. Oskar Stampfli aus Aeschi im Bischöflichen Ordinariat in Solothurn wegen eines Gottesdienstlokals in Herzogenbuchsee nach. Zwei Tage später trafen sich 15 Personen aus Herzogenbuchsee zu einer ersten Besprechung im Hotel Sonne und schon am 30. August fand die Gründungsversammlung des Kultusverein statt. (Präsident war Pfr. Stampfli aus Aeschi, Sekretär A. Hagmann aus Herzogenbuchsee).
Am 14. Oktober gab Generalvikar Thomas Buholzer seine Zustimmung zum gewählten Gottesdienstlokal und am 31. Oktober konnten Pfr. Stampfli und Adolf Bösch aus Langenthal die Weihe der Kapelle vornehmen. Bei dieser ersten nachreformatorischen Eucharistiefeier in Herzogenbuchsee ministrierte der 9-jährige Sohn des Sonnenwirts, der spätere Priester Bruno Ochsenbein.
Einen Monat später gelangte Pfr. Stampfli mit der Anfrage wegen finanzieller Unterstützung an den Generalvikar, welche dieser am 24. Dezember 1937 zusicherte.
Am 27. Juli 1940 wurde Gustav Burkard feierlich als 1. Pfarrrektor von Herzogenbuchsee eingesetzt, am 1. August wurde die Pfarrei Herzogenbuchsee durch den Bischof errichtet und zehn Jahre später - am Christkönigsfest 1950 - dem Herzen Jesu geweiht.
Am 26. Juli 1942 wurde Josef Birri als Pfarrer installiert und im selben Jahr wurde ein Kirchbauplatz beim Sternen erworben, der aber 1951 wieder verkauft und dafür 1952 ein Bauplatz im Felderhofquartier gekauft wurde. Im November dieses Jahres wurde der katholische Kultusverein aufgelöst und am 28. Januar 1953 eine 11-köpfige Baukommission unter Pfr. Birri eingerichtet. Die Verwaltung des Baufonds wurde am 10. Februar der seit 1948 bestehenden katholischen Kirchenstiftung übergeben.Grundsteinlegung durch Bischof Franziskus von Streng
Am 7. Juni 1953 nahmen Pfr. Felber von Aeschi und Pfr. Jund von Huttwil den Spatenstich vor und am 29. November konnte Bischof Franziskus von Streng den Grundstein der neuen Pfarrkirche legen und schon am 22. Dezember 1953 wurde Aufrichte gefeiert.




Einladung zur Glockenweihe 1954

Mit dem nebenstehenden Inserat wurde vor 60 Jahren zum dreitägigen Fest der Glockenweihe eingeladen.

Am Samstag, 10. Juli 1954, fand ein Festumzug vom Bahnhof Herzogenbuchsee zur neuen Kirche statt. Die Klänge der Musikgesellschaft und der Kavallerieverein Herzogenbuchsee begleiteten den Umzug, an dem viele Pfarreiangehörige (u.a. junge Damen in Kutschen) und Einwohner Buchsis, dem neuen Geläute (Schutzengel-, Josefs-, Marien- und Herz-Jesu-Glocke) ein herzliches 'Willkomm' bereiteten.

Am Sonntag, 11. Juli 1954, weihte Bischof Franziskus von Streng 'bei schönstem Sommerwetter', wie Pfr. Birri in seiner Chronik vermerkt, in einem Festgottesdienst die Glocken. 

Am Montagnachmittag  wurden sie von der Schuljugend um 16.00 aufgezogen. Pfr. Birri notierte dazu: 'Nur 5 Minuten Regentropfen, dann sonnig. Fabriken hatten frei. Vor lauter Freude vergesen einige den Schirm zu schliessen.'

Aus dem Fotoalbum - Glockenweihe 1954

Am 22. August 1954 war es endlich soweit: Der Bischof konnte die neue Herz-Jesu-Kirche in Herzogenbuchsee einweihen und ihrer Bestimmung übergeben. 60 Jahre Kirchweihe: 1954 - 2014

Ein Blick in die Chronik und das Fotoalbum von Pfr. Birri erinnert nicht nur durch Bilder an die feierliche Liturgie, sondern erklärt durch Zeitungsratikel auch den Ritus der Kirchweihe und weckt mit den Fotos vom anschliessenden Festbankett (inkl. Menu- und Weinkarte) manche Erinnerung.